Eine Szenerie wie die eines einfarbigen Bildes1
[Text: Tatsurou  Musik:Miya, Yukke]

Ich zerre den zerrissenen Saum meiner Hose hinter mir her
Bis wohin werde ich heute kommen?
Ich habe meine Tasche mit all meinen Wunschträumen voll gestopft
Mit äußerster Leichtigkeit zerfallen sie in kleine Stücke

Ich ergriff sie2 mit meinen kleinen Händen
Einst wurden meine Empfindungen Steine aus Blei, die ich wegwarf2
Die abgestreifte Hülle meiner selbst führt das Leben in dieser Welt fort
Sie hat ihre Farben verloren, diese längst vergangene Welt, auf die ich zurückblicke

Am Abend der stillen Einfachheit haftet ein zunehmender Mond4
Gefolgt von einer Brise

Ich strecke beide Hände im Gebet gen Himmel
„Lass mich zu dir kommen“5
Mit nur einer Farbe male ich ein Bild meiner Zukunft
Ich muss in dieser Szenerie zurechtkommen

Ich male mit den verlorenen Farben
Von nun an male ich mit den verloren gegangenen Farben
Mit strahlenden Farben - in mir glühen diese Farbtöne6
Gerade jetzt lasse ich sie frei

Ich strecke beide Hände im Gebet gen Himmel
“Lass mich zu dir kommen“
Mit nur einer Farbe male ich ein Bild meiner Zukunft
Ich muss in dieser Szenerie zurechtkommen

Ich richte beide Augen im Gebet gen Himmel
“Setze all die Hoffnung auf morgen“
Ich übermalte meine Zukunft mit der Szenerie wie die eines einfarbigen Bildes
Gerade jetzt habe ich das Färben vollendet


1  Ich habe den ganzen Titel erweitert und abstrahiert. „monokuro no keshiki“ heißt wörtlich eigentlich nur „monochromes/einfarbiges (landschaftliches) Panorama“. „monokuro no“ ist aber auch die Abkürzung für ein einfarbiges Gemälde oder Foto und natürlich hat „keshiki“ mehrere Bedeutungen: Ausblick auf eine Landschaft, landschaftliche Kulisse/Panorama, Landschaft oder Szenerie
2  das Personalpronomen „sie“ bezieht sich auf die Steine oder sogar die Empfindugen im nächsten Satz, was aber reine Interpretationssache ist. Tatsurou hat hier, so denke ich, eine ganz eigene Metapher für Gefühlskälte, die eintritt, geschaffen
3  “namari no tsubute“ heißt “geworfener Stein aus Blei“; das Tempus des Satzes habe ich auf den vorangegangen bezogen, weshalb ich hier die Zweitbedeutung von „itsuka“ (irgendwann) verwende: „einst, kürzlich“
4  diese Zeile birgt eine Besonderheit. „kanjaku“ bedeutet „Stille, Ruhe, Friedlichkeit“, ist aber auch ein Konzept (stille Einfachheit) des Haiku-Dichters Bashô (1644–1694), das Tatsurou vielleicht hier anwendet (er singt den Satz fast dreizeilig), weswegen ich „kanjaku“ mit „stiller Einfachheit“ übersetzt habe
5  “todoku“ heißt „erreichen, ankommen“, aber auch „erfüllt werden, erhört werden“, weswegen der Satz auch „Erhöre mich“ bedeuten könnte
6  da „azayaka“ auch noch „frisch, lebendig“ statt „strahlend, glänzend“ und „moeru“ statt „brennen, glühen, lodern“ auch noch „sprießen, knospen, sprossen“ bedeuten kann, ergibt sich noch folgende Interpretation: "Mit frischen Farben - in mir knospen diese Farbtöne"

Übersetzt von Miyabi.