
Stadt ohne Herz
Einmal mehr ist das Aufstehen heute schrecklich,
weil ich bis spät in die Nacht fern gesehen habe
Kann mich nicht an das Lied erinnern,
das ich gesummt habe
Welches war es bloß?
Wenn ich stehen bleibe, wird mir genommen, was ich noch habe
Was habe ich in dieser Stadt verloren? Was habe ich ihr abgerungen?
Die Morgendämmerung tüncht die Stadt in Rot
Doch die Szenerie ändert sich nicht
Auch heute benimmt sich der Hund von nebenan wieder hysterisch
Ich trete die Mauer1 nieder
Durchstreife kopflos2 die Welt und
gammle depressiv in meinem Zimmer rum
Diese Stadt, wo man sich nicht vor der Welt verstecken kann und wo die Schuhe nicht schmutzig werden, hat mein unstetes Herz getötet
Wenn der unzähmbare Regen fällt, werden die Stadt und ich durchnässt
Von Anfang an kannte ich den Grund3 und hatte dafür Verständnis
Was ist denn so traurig? Man hört kein Vogelgezwitscher mehr4
Die Morgendämmerung tüncht die Stadt in Rot
Sich immer wiederholender Alltag, morgen wird geschrieen
Jetzt, in einer Ecke dieser verhassten Stadt,
versuche ich, ein bisschen nur, zu lächeln

1 Hier „kabe ichimai no chitsujo“ = „die Regelmässigkeit/Richtigkeit einer Mauer“; mir klang das auf Deutsch zu umständlich, deshalb habe ich es bei „Mauer“ belassen
2 “rifujin“ = „unvernünftig, unangemessen, unzumutbar“; habe es hier aber mit „kopflos“ übersetzt, weil ich finde, dass es gut reinpasst und dem Text das gewisse Etwas verleiht
3 “iiwake“ = „Entschuldigung, Erklärung“
4 Sehr frei übersetzt! „Nakenakunatta koto ka na“ = „Es gibt nichts, das singt/weint“. Man könnte auch meinen, dass von Menschen die Rede ist, die nicht mehr weinen können, aber mir gefallen die Vögel in diesem Zusammenhang besser.
Übersetzt von Eurydike. |