Orchester des Regens
Ich fange an, meine Erinnerungen an dich mit einem Füller in ein schneeweißes Notizbuch niederzuschreiben
Draußen vor dem Fenster fällt der Regen wie an dem Tag, unaufhörlich seit gestern
Fällt immer weiter, klopft ans Fenster

Tropf, tropf, eins, zwei
Draußen vor dem leicht rüttelnden Fenster
Die Wettervorhersage hat Regen angekündigt, hast du den Schirm mitgenommen, als du nach draußen gegangen bist?

„Auf Wiedersehen, Sonne von heute“, wiederhole ich einige Male
Wenn ich rauf zum Himmel blickte, würde ich ein bisschen Licht erkennen
Gewöhnliche Tage, Orchester der Echos der Töne, die der Regen spielt

Ich war ganz und gar nicht überrascht, dich inmitten der Stadt, wo die Sünder kommen und gehen, zu finden
Kirschbaumblätter, nass vom Frühsommerregen, und ich, darauf wartend, dass du kommst
Eine Katze, ganz feucht und verschrumpelt, schließt sich dir an

Sie schauen aus wie Hortensien,
die lebhaft blühenden Schirme der Läden,
der tiefrote Plastikregenschirm, der dein Profil in rote Farbe tüncht

Die Vögel im Schutz der Bäume sind es müde, auf den Himmel zu warten
Ich jedoch... hasse diesen Regen nicht
Den einen Schirm zusammenfaltend, lade ich dich unter meinen kleinen Schirm ein

Die kalte Luft hält uns davon ab, uns auseinander zu stellen, wegen der Nähe berühren sich unsere Fingerspitzen leicht
Heute trägst du dein Haar zusammengebunden, gestern hast du erwachsener gewirkt
Verfärbe meine gewöhnlichen Tage

Als ich den Füller niederlege, hat der Regen aufgehört. Unbemerkt hat der Himmel zu fließen begonnen
Du hast ganz bestimmt
über meine Lügen Bescheid gewusst, nicht? Von Anfang an.

Der Regen hat unsere Fehler weggespült, auch wir werden weg gewaschen
In dem Bild voller Glück, das du gemalt hast, werde ich nicht zu finden sein
Ich, der ich mich in deinen Augen widerspiegelte
Ich war ganz und gar nicht überrascht gewesen, dich inmitten der Stadt, wo die Sünder kommen und gehen, zu finden
Kirschbaumblätter, nass vom Frühsommerregen, und ich, wartend, doch du bist nicht da
Mit geschlossenen Augen erschnuppere ich deinen Geruch im Wind


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Übersetzt von Eurydike.




Das Orchester des Regens
Mein Füller schwebt1 über ein Blatt eines noch leeren2 Notizbuches, um damit zu beginnen, meine Erinnerungen an dich festzuhalten
Draußen vor dem Fenster fällt der Regen seit gestern, ohne Ende, so wie an jenem Tag
Wieder und wieder, für immer, pocht er ans Fenster

Ein leichtes Nieseln – eins, zwei
Sanft begann er draußen vor dem Fenster zu fallen
Der Regen fällt so wie von der Wettervorhersage angekündigt, ob du wohl einen Regenschirm mitgenommen hast, als du gegangen bist?

„Leb wohl, heutiges Sonnenlicht“ sind die Worte3, die ich viele Male wiederhole
Wenn ich zum Himmel hinaufblicke, ist es mir, als sähe ich ein Fünkchen Licht
An diesem gewöhnlichen Tag spielt der Regen ein Orchester aus Widerhall

In der Stadt, in der die Sünder umhergehen, fand ich dich, ohne verführt zu werden4
Durch den Frühsommerregen wird das Laub der Kirschbäume nass, während ich darauf warte, dass du kommst
Eine durchnässte, kraftlose Katze läuft dir hinterher

Sie sehen aus wie Hortensien,
die frisch blühen, all die Schirme in den Straßen5
So ein blutroter Plastikschirm färbte dein Profil rot

Die Vögel im Schatten der Bäume warten und warten auf den Himmel
Zwar ist es unpassend, doch ich verabscheue diesen Regen nicht
Ich würde dich unter meinen kleinen Schirm einladen, wenn du den deinen zusammenfaltest

Als ob die kalte Luft den Damm gebrochen hätte, berühren sich unsere Fingerspitzen trotz der Kluft zwischen uns mit Leichtigkeit
Heute trägst du die Haare hochgebunden, gestern sahst du erwachsener aus
Du gewöhnlicher Tag, durchtränke dich damit

Als der Regen aufhörte, legte ich den Füller auf den Schreibtisch. Bevor ich es bemerkte, begann der Himmel dahin zu fließen
Du hast gewiss gewusst, dass ich dich belogen habe, nicht? Von Anfang an.

Der Regen, er schwemmt unser Scheitern hinfort, so wie auch wir bald fortgerissen werden
Das Abbild meiner selbst ist in dem Bild, das du von deinem Glück malst, nicht zu finden
Ich, der sich in diesen, den deinen Augen spiegelte,
fand dich in der Stadt, in der die Sünder umhergehen, ohne verführt zu werden
Durch den Frühsommerregen wird das Laub der Kirschbäume nass, während ich dich suche, doch du bist nicht da
Ich schließe die Augen damit ich besser riechen6 kann, wie der Wind deinen Duft nachahmt

COMMENT (3)


1  “hashiraseru“ heißt „etwas laufen lassen“
2  “masshiro na“ bedeutet „schneeweiß, schlohweiß“, aber auch „unbefleckt“. Ich denke, Tatsurou beschreibt ein noch unbeschriebenes Notizbuch
3  ist eine übersetzerische Freiheit, um die Aussage grammatikalisch (wie im Japanischen) zum Objekt zu machen
4  “mayou“ bedeutet neben „bezaubert/betört werden“ auch noch „zögern, schwanken, sich nicht entscheiden können, verlegen sein, hilflos sein, rastlos sein“ oder „sich verirren/verlaufen“, weswegen auch „[…] fand ich dich, ohne mich zu verirren“ als Interpretation infrage kommt
5  “machinami“ heißt eigentlich „Stadtbild“
6  “damit ich besser riechen kann“ ist eine Ergänzung, die im Original nicht steht, da das Japanische im Gegensatz zum Deutschen ohne diesen Einschub auskommt

Übersetzt von Miyabi.